Fußball und „Turf“ – Sport in Frankfurt vor 100 Jahren
Im Jahr 1880 war Frankfurt am Main zum ersten Mal Gastgeber für ein Deutsches Turnfest. Seit diesem Jahr besteht auch der FC 1880, der sich den Sportarten Rugby, Hockey und Tennis widmete und seinen Namen 1914 in „SC 1880“ änderte. Bereits 1861 war der Frankfurter Schlittschuhclub gegründet worden, der sich später mit der seit 1898 bestehenden „Lawn-Tennis Vereinigung” zum „Frankfurter Sportclub Forsthausstraße“ zusammenschloss. Einen Turnverein für Erwachsene gab es in Frankfurt schon seit 1833.
Dieser wurde nach seiner Auflösung aus politischen Gründen 1860 wieder gegründet. Mit dem Deutschen Turnfest 1908 begann dann eine erste Blütezeit von Turnen und Sport in Frankfurt. Schon im Jahr 1910 wurde in der neuen Festhalle eine Internationale Ausstellung für Sport und Spiele (ISA) veranstaltet. Seit dieser Zeit erschienen die Frankfurter Tageszeitungen mit einem eigenen Sportteil und stifteten auch Ehrenpreise – zum Beispiel für die Gewinner des Staffellaufs „Rund um Frankfurt“ bzw. des Staffellaufs „Rund um die Frankfurter Anlagen“.
Eine Durchsicht der 1913 - also vor genau 100 Jahren - von der Frankfurter „Kleinen Presse“ veröffentlichten Beiträge zum Sportgeschehen vermittelt einen guten Überblick. Bereits damals standen Berichte über Fußballspiele im Vordergrund. Allerdings gab es eine eher zufällige Auswahl der Berichte, die auch von der jeweiligen „Materiallage“ abhing. So erfahren wir beispielsweise am 11. Juni 1913, dass der „Fußballklub ´Union Niederrad´ … schöne Resultate zu verzeichnen“ hatte. Unter anderem siegte die 1. Mannschaft über den Fußballklub „Alemannia“ Nied mit 10 : 0.
Eine Woche später wurde dann über Fußballspiele in Heddernheim informiert. Dort standen sich zum Beispiel die ersten Mannschaften des Heddernheimer Fußballklubs 1907 und des Fußballklubs Soden gegenüber. Dabei gewannen die Gastgeber bei großer Hitze mit 7 : 0. Noch wichtiger waren aber offensichtlich Berichte über Pferderennen („Turf“) und über den Flugsport. Die Vorliebe für Pferderennen ist wohl in erster Linie auf die Wettleidenschaft der Besucher dieser Rennen zurückzuführen.
Der Flugsport war dagegen deshalb von Interesse, weil Fliegen zu jener Zeit ein völlig neues Phänomen war, das von allen Nicht-Fliegern bestaunt wurde. Immerhin war es erst 1909 gelungen, den Ärmelkanal mit einem Flugzeug zu überqueren. So gab es 1913 kaum eine Ausgabe der „Kleinen Presse“, in der nicht über Flugbewegungen oder auch über Abstürze mit tödlichem Ausgang informiert wurde.
Der „Kleinen Presse“ ist außerdem zu entnehmen, dass es seit 1900 einen jährlichen Städte-vergleichskampf im Rudern zwischen Paris und Frankfurt gab. Nach 8 Siegen der Franzosen erhofften sich die Verantwortlichen für 1913 eine Verbesserung der Bilanz zugunsten der Frankfurter Ruderer. Aber auch diesmal gewann Paris bei dem auf der Seine ausgetragenen Wettbewerb erneut – noch dazu mit mehr als drei Längen.
Über das Rudern wurde relativ häufig informiert. Die Beiträge über andere Sportarten hatten dagegen eher punktuellen Charakter. So wurde immer wieder einmal über Rugby- oder Hockeyspiele des FC 1880 (= SC 1880) und des Turnvereins 1860 berichtet. Den starken englischen Einfluss auf die Sportentwicklung in Deutschland belegt unter anderem ein Beitrag in der „Kleinen Presse“ über die Gründung eines allein aus britischen Staatsangehörigen bestehenden Kricketvereins in Frankfurt.
Bemerkenswert erscheint außerdem, dass in Frankfurt zu dieser Zeit eine regelrechte Leiden-schaft für das Rollschuhlaufen ausgebrochen war. Diese wurde dadurch gefördert, dass eine Rollschuhbahn in der (während des Winters gut geheizten) Festhalle genutzt werden konnte. Auf dieser Bahn wurden auch Wettbewerbe im Kunstlaufen und im Schnell-Laufen sowie Wettspiele im „Rollschuh-Hockey“ ausgetragen. Darüber hinaus endete das Zusammentreffen von Fußgängern und Rollschuhläufern auf den Straßen der Innenstadt allerdings bisweilen mit handfesten Auseinandersetzungen.
Eine Besonderheit waren in Frankfurt die seit 1911 jährlich ausgetragenen „Stadtstaffeln“, die erst 1980 ein Ende fanden. Am 13. April 1913 veranstaltete der Frankfurter Verband für Turnsport einen „Stafettenlauf durch Frankfurt“. Gestartet wurde um 11 Uhr an der Helmholtzschule, während sich das Ziel am Goethegymnasium befand. Die Laufstrecke führte über die Habsburger Allee, die Rothschild-Allee, Nibelungen-Allee und die Adickes-Allee zur Hohenzollern-Allee.
Obwohl 1913 noch streng zwischen Turnen und Sport unterschieden wurde, waren die einschlägigen Seiten der „Kleinen Presse“ mit „Sportzeitung“ überschrieben. In der Rubrik „Von der Deutschen Turnerschaft“ wurde jedoch regelmäßig über die Aktivitäten der Turner informiert. 1913 standen dabei Berichte über das Geschehen beim Deutschen Turnfest in Leipzig im Mittelpunkt. Da bei weitem nicht alle Turner an diesem Turnfest teilnehmen konnten, veranstaltete die „Frankfurter Turnerschaft“ zu Pfingsten dieses Jahres in der Festhalle Wettkämpfe zur Erinnerung an das Turnfest 1908.
Die Turner widmeten sich außerdem intensiv den verschiedenen Turnspielen. Dazu gehörte 1913 neben Faustball, Schlagball und Schleuderball auch Tamburinball. Dies war ein beliebtes Mannschaftsspiel, bei dem der Ball mit Hilfe eines „Tamburins“ über eine gespannte Schnur in das gegnerische Feld geschlagen wurde. Fußball verlor bei den Turnern im Lauf der Zeit dagegen immer mehr an Bedeutung. Im Dezember 1913 wird in der „Kleinen Presse“ berichtet, dass während der Saison in den verschiedenen oben genannten Kategorien insgesamt 210 Spiele ausgetragen wurden.
Ein anderer Beitrag in der Rubrik „Von der Deutschen Turnerschaft“ beschäftigte sich mit dem damals üblichen „Abturnen der Frankfurter Turnvereine“, das „mit Rücksicht auf die zum Militär abgehenden Mitglieder“ jeweils am letzten September-Sonntag stattfand. Beim Turnverein „Vorwärts“ Bockenheim hatten sich zum Beispiel 62 Turner, 6 Fechter und 10 Ringer zu den Wettkämpfen im Zwölfkampf gemeldet. Außerdem gab es ein „Zöglingsturnen“ der jüngeren Mitglieder. Am Abend folgte dann in der Turnhalle „eine von echt turnerischem Geist beseelte Feier mit Abschied der Rekruten“.
Peter Schermer
Dieser wurde nach seiner Auflösung aus politischen Gründen 1860 wieder gegründet. Mit dem Deutschen Turnfest 1908 begann dann eine erste Blütezeit von Turnen und Sport in Frankfurt. Schon im Jahr 1910 wurde in der neuen Festhalle eine Internationale Ausstellung für Sport und Spiele (ISA) veranstaltet. Seit dieser Zeit erschienen die Frankfurter Tageszeitungen mit einem eigenen Sportteil und stifteten auch Ehrenpreise – zum Beispiel für die Gewinner des Staffellaufs „Rund um Frankfurt“ bzw. des Staffellaufs „Rund um die Frankfurter Anlagen“.
Eine Durchsicht der 1913 - also vor genau 100 Jahren - von der Frankfurter „Kleinen Presse“ veröffentlichten Beiträge zum Sportgeschehen vermittelt einen guten Überblick. Bereits damals standen Berichte über Fußballspiele im Vordergrund. Allerdings gab es eine eher zufällige Auswahl der Berichte, die auch von der jeweiligen „Materiallage“ abhing. So erfahren wir beispielsweise am 11. Juni 1913, dass der „Fußballklub ´Union Niederrad´ … schöne Resultate zu verzeichnen“ hatte. Unter anderem siegte die 1. Mannschaft über den Fußballklub „Alemannia“ Nied mit 10 : 0.
Eine Woche später wurde dann über Fußballspiele in Heddernheim informiert. Dort standen sich zum Beispiel die ersten Mannschaften des Heddernheimer Fußballklubs 1907 und des Fußballklubs Soden gegenüber. Dabei gewannen die Gastgeber bei großer Hitze mit 7 : 0. Noch wichtiger waren aber offensichtlich Berichte über Pferderennen („Turf“) und über den Flugsport. Die Vorliebe für Pferderennen ist wohl in erster Linie auf die Wettleidenschaft der Besucher dieser Rennen zurückzuführen.
Der Flugsport war dagegen deshalb von Interesse, weil Fliegen zu jener Zeit ein völlig neues Phänomen war, das von allen Nicht-Fliegern bestaunt wurde. Immerhin war es erst 1909 gelungen, den Ärmelkanal mit einem Flugzeug zu überqueren. So gab es 1913 kaum eine Ausgabe der „Kleinen Presse“, in der nicht über Flugbewegungen oder auch über Abstürze mit tödlichem Ausgang informiert wurde.
Der „Kleinen Presse“ ist außerdem zu entnehmen, dass es seit 1900 einen jährlichen Städte-vergleichskampf im Rudern zwischen Paris und Frankfurt gab. Nach 8 Siegen der Franzosen erhofften sich die Verantwortlichen für 1913 eine Verbesserung der Bilanz zugunsten der Frankfurter Ruderer. Aber auch diesmal gewann Paris bei dem auf der Seine ausgetragenen Wettbewerb erneut – noch dazu mit mehr als drei Längen.
Über das Rudern wurde relativ häufig informiert. Die Beiträge über andere Sportarten hatten dagegen eher punktuellen Charakter. So wurde immer wieder einmal über Rugby- oder Hockeyspiele des FC 1880 (= SC 1880) und des Turnvereins 1860 berichtet. Den starken englischen Einfluss auf die Sportentwicklung in Deutschland belegt unter anderem ein Beitrag in der „Kleinen Presse“ über die Gründung eines allein aus britischen Staatsangehörigen bestehenden Kricketvereins in Frankfurt.
Bemerkenswert erscheint außerdem, dass in Frankfurt zu dieser Zeit eine regelrechte Leiden-schaft für das Rollschuhlaufen ausgebrochen war. Diese wurde dadurch gefördert, dass eine Rollschuhbahn in der (während des Winters gut geheizten) Festhalle genutzt werden konnte. Auf dieser Bahn wurden auch Wettbewerbe im Kunstlaufen und im Schnell-Laufen sowie Wettspiele im „Rollschuh-Hockey“ ausgetragen. Darüber hinaus endete das Zusammentreffen von Fußgängern und Rollschuhläufern auf den Straßen der Innenstadt allerdings bisweilen mit handfesten Auseinandersetzungen.
Eine Besonderheit waren in Frankfurt die seit 1911 jährlich ausgetragenen „Stadtstaffeln“, die erst 1980 ein Ende fanden. Am 13. April 1913 veranstaltete der Frankfurter Verband für Turnsport einen „Stafettenlauf durch Frankfurt“. Gestartet wurde um 11 Uhr an der Helmholtzschule, während sich das Ziel am Goethegymnasium befand. Die Laufstrecke führte über die Habsburger Allee, die Rothschild-Allee, Nibelungen-Allee und die Adickes-Allee zur Hohenzollern-Allee.
Obwohl 1913 noch streng zwischen Turnen und Sport unterschieden wurde, waren die einschlägigen Seiten der „Kleinen Presse“ mit „Sportzeitung“ überschrieben. In der Rubrik „Von der Deutschen Turnerschaft“ wurde jedoch regelmäßig über die Aktivitäten der Turner informiert. 1913 standen dabei Berichte über das Geschehen beim Deutschen Turnfest in Leipzig im Mittelpunkt. Da bei weitem nicht alle Turner an diesem Turnfest teilnehmen konnten, veranstaltete die „Frankfurter Turnerschaft“ zu Pfingsten dieses Jahres in der Festhalle Wettkämpfe zur Erinnerung an das Turnfest 1908.
Die Turner widmeten sich außerdem intensiv den verschiedenen Turnspielen. Dazu gehörte 1913 neben Faustball, Schlagball und Schleuderball auch Tamburinball. Dies war ein beliebtes Mannschaftsspiel, bei dem der Ball mit Hilfe eines „Tamburins“ über eine gespannte Schnur in das gegnerische Feld geschlagen wurde. Fußball verlor bei den Turnern im Lauf der Zeit dagegen immer mehr an Bedeutung. Im Dezember 1913 wird in der „Kleinen Presse“ berichtet, dass während der Saison in den verschiedenen oben genannten Kategorien insgesamt 210 Spiele ausgetragen wurden.
Ein anderer Beitrag in der Rubrik „Von der Deutschen Turnerschaft“ beschäftigte sich mit dem damals üblichen „Abturnen der Frankfurter Turnvereine“, das „mit Rücksicht auf die zum Militär abgehenden Mitglieder“ jeweils am letzten September-Sonntag stattfand. Beim Turnverein „Vorwärts“ Bockenheim hatten sich zum Beispiel 62 Turner, 6 Fechter und 10 Ringer zu den Wettkämpfen im Zwölfkampf gemeldet. Außerdem gab es ein „Zöglingsturnen“ der jüngeren Mitglieder. Am Abend folgte dann in der Turnhalle „eine von echt turnerischem Geist beseelte Feier mit Abschied der Rekruten“.
Peter Schermer
Peter Schermer - 22. Jun, 13:33
